Das Lager läuft, die Zahlen stimmen, und dann kommt dieses eine Instagram-Video, das alles verändert. Drei Stunden später hat sich das Bestellvolumen verdoppelt. Ein Luxusproblem, I know. Aber wer einmal mittendrin war, weiß: Das ist auch der Tag, an dem jedes System auf die Probe gestellt wird.
Mein Hintergrund mit The Quality Group
Ich war Group Head of Customer Service bei ESN/Fitmart und More Nutrition, den Marken der The Quality Group. Dieser Druck ist mir vertraut. Der Tag, an dem die Zahlen explodieren, ist kein Erfolgsmoment am Rechner, sondern gelebter Ausnahmezustand, der das gesamte System belastet: Logistik, Service, Kommunikation, Nerven.
Cihan Yasar, den ich persönlich gut kenne und sehr schätze, und ich hatten damals exakt diesen Job: das wieder einzufangen. Ich mit den Customer Service Teams und den Kunden direkt am Telefon, in den DMs, per E-Mail. Cihan damals noch mit Sonderschichten im Lager, und im Zweifelsfall hat er selbst gepickt.
Was Cihan Yasar und Locus Robotics daraus gebaut haben
Cihan Yasar hat gemeinsam mit Malte Guske von Locus Robotics in einem Podcast des Logistik-Podcasts Einblick in einen der dynamischsten Logistikstandorte Europas gegeben: 70.000 Bestellungen pro Tag, 420 autonome Roboter Seite an Seite mit Mitarbeitenden.
Das ist keine Zukunftsvision. Das ist Elmshorn, heute.
Warum klassische Automatisierung hier versagt
Was klassische Lösungen wie AutoStore oder automatische Kleinteilelager an ihre Grenzen bringt: Sie sind zu starr für ein influencer-getriebenes Geschäftsmodell. Wenn ein Produkt viral geht, verdoppeln sich Bestellvolumina innerhalb von Stunden. Fixe Kapazitäten skalieren nicht mit, sie brechen.
Robot as a Service löst genau dieses Problem, nicht durch mehr Technik, sondern durch ein anderes Grundprinzip: Du kaufst keine Infrastruktur, du gehst eine Partnerschaft ein. Die Flotte wächst mit dem Geschäft. Wenn der Peak vorbei ist, geht sie wieder zurück.
Was mich an diesem Modell überzeugt
Erfolgreiche Automatisierung beginnt nicht mit möglichst viel Technik. Sie beginnt mit einem tiefen Verständnis der eigenen Prozesse. Wer das nicht hat, kauft Infrastruktur, die beim nächsten viralen Peak versagt, egal wie viele Roboter auf dem Boden fahren.
Das ist die eigentliche Lektion aus dem Podcast und aus meiner eigenen Zeit bei The Quality Group: Die technische Lösung ist das Ergebnis, nicht der Ausgangspunkt. Und Mensch und Roboter zusammenarbeiten zu lassen, ist kein Automatisierungsprojekt. Es ist ein Kulturprojekt.
Für wen das relevant ist
Wenn du in Intralogistik, eCommerce oder Operations arbeitest und die Frage ernst nimmst, wie skalierbare Lagerstrukturen für Peaks funktionieren, ist der Podcast eine der konkreteren Quellen, die ich in letzter Zeit gehört habe. Keine Vertriebs-Demo, sondern ein ehrliches Gespräch zwischen zwei Leuten, die das System von innen kennen.