Letzte Woche ging es um Oyakudachi, den inneren Antrieb, nützlich zu sein: das Warum des Caretaker-Gens. Heute kommt das Wie.
Im Japanischen gibt es ein Wort, das ich in keinem Führungsratgeber gefunden habe: Mendomi. Wörtlich bedeutet es, jemanden im Blick zu halten, über jemanden zu wachen. Aktiv für die Menschen um dich herum da zu sein, nicht weil du musst, sondern weil du verstehst, dass ihre Entwicklung dein eigentlicher Job ist.
In Japan beschreibt Mendomi die Qualität eines Vorgesetzten oder Mentors. Nicht die Güte seiner Strategie, nicht seinen Track Record bei OKRs, sondern die Frage: Sieht dieser Mensch seine Leute wirklich?
Sabine bei KYOCERA
Bei KYOCERA hatte ich Sabine, Team Managerin Training, in meinem Bereich. Sie hat oft nicht einfach stringent nach Stellenbeschreibung geführt. Sie wusste, welche Mitarbeiterin gerade ihren Vater pflegte, wer einen schlechten Monat hatte und wer kurz davor stand aufzugeben, ohne es jemandem zu sagen. Nicht weil sie das dokumentiert hätte, sondern weil sie hingeschaut hat, wirklich hingeschaut. Das ist Mendomi, und das war ein wichtiger Teil unserer gelebten Haltung, des Wollens und nicht des Müssens.
Es ist kein Soft Skill. Es ist das Fundament, auf dem Vertrauen wächst, und ohne Vertrauen ist jede andere Führungstechnik nur Fassade.
Zwei Säulen
Oyakudachi gibt die Richtung: Ich bin hier, um nützlich zu sein. Mendomi macht es konkret: Ich wache über die Menschen, für die ich Verantwortung trage. Beide zusammen ergeben zwei Säulen, die das Caretaker-Gen definieren. Nicht als Modell, sondern als Haltung.
Führen heißt wirklich hinschauen.
Wer von euch hat eine Führungskraft erlebt, die dieses Wahrnehmen wirklich gelebt hat? Was hat das in eurem Team verändert?