Das Foto zeigt mich, Anfang der Neunziger, als jungen Gefreiten am einzigen PC in der S1-Abteilung der Panzerbrigade 33 in Celle. Personalwesen, Datenaktualisierung für die Brigade. Eine Verantwortung, die mir damals als jungem Soldaten anvertraut wurde, und die ich gerne und mit Stolz getragen habe.
Was ich damals noch nicht wusste: Diese Zeit hat mir mehr über Haltung beigebracht als jede Schulung danach.
In über zwei Jahrzehnten Führungsverantwortung hat sich das immer wieder bestätigt: 80 Prozent des Führungserfolgs sind Haltung. 20 Prozent sind Handwerk.
Kein Framework macht ein Team
Das ist keine Abwertung des Handwerks: ITIL, Prozessdesign, KPI-Strukturen, Plattformen. Das alles ist wichtig, es ist der Kern der Aufgaben. Aber ich habe in meiner gesamten Laufbahn kein Framework erlebt, das ein Team in eine echte Einheit verwandelt hätte. Haltung schon.
Bei Kornit Digital habe ich eine EMEA-Service-Organisation von Grund auf aufgebaut: sieben Länder, 24 Mitarbeiter, ein neues Partnermanagement. Was länger gedauert hat als jede technische Frage, war, gemeinsame Verantwortung zu verstehen und die passenden Prozesse dafür vorzuhalten. Dass ein Techniker in Spanien um 21 Uhr ein Problem eskaliert, weil er weiß, dass es wichtig ist, nicht weil es in einem Handbuch steht. Und morgens um neun ist das Ersatzteil für den Kunden am Flieger. So einfach ist das.
Das ist das Ergebnis einer Haltung, meiner, die ich weitergebe und vorlebe. In den Momenten, in denen ich mit Fehlern umgegangen bin, in denen ich unter Druck reagiert habe, in denen ich gesagt habe, was ich für richtig halte, auch wenn niemand zugeschaut hat.
Handwerk kann man trainieren. Haltung muss man vorleben, täglich, auch wenn es unbequem und manchmal anstrengend ist.
Was war die prägendste Führungslektion in deiner Laufbahn?