Eine Übung, die einfach nur glatt läuft, lehrt uns wenig. Wir nehmen mit jedem Mal etwas mit, und genau dafür üben wir.
Das gilt in der Freiwilligen Feuerwehr genauso wie im Unternehmen, und für mich gilt es auch für Audits. In diesem Artikel erzähle ich von einer Gefahrstoffübung, von der Nachbesprechung danach und davon, was ich daraus für Führung und für den Umgang mit Prüfungen mitnehme.
Das Szenario: Fässer im Waldstück
Vor vier Wochen haben wir mit einer anderen Wehr aus dem niedersächsischen Katastrophenschutz eine Übung zu Gefahrstoffen und Rettung gefahren. Das Szenario: Ein Anwohner beobachtet, wie in einem Waldstück Fässer von einem Transporter abgeladen werden, und mitten im Abladen brechen die Personen rund um das Fahrzeug plötzlich zusammen. Er geht nicht hin, sondern ruft sofort die 112, und genau das ist richtig. Wer ohne Schutz in eine unbekannte Gefahr läuft, wird schnell selbst zum nächsten Verletzten.
Am Einsatzort haben sich die Angriffstrupps vorsichtig der Unfallstelle genähert. Wir haben die Einsatzstelle weiträumig im Kreis abgesperrt und einen Dekontaminationsplatz sowie einen Hygieneplatz eingerichtet. Die Fässer trugen sogar Gefahrgutkennzeichnungen, die uns bei der Suche nach den Details zum Stoff helfen sollten, und als Verletzte lagen zwei realistische Übungspuppen am Unfallort.
Geübt wird, was wir selbst können müssen
Im Ernstfall kämen der Sonderzug für Gefahrstoffe, der ELW 1, also der Einsatzleitwagen, die Drohneneinheit der DLRG und Rettungswagen dazu. An diesem Abend ging es bewusst um das, was wir selbst üben mussten und konnten.
Aus so einem Szenario lässt sich viel lernen und noch mehr falsch machen, gerade wenn eine Feuerwehr es vielleicht einmal oder zweimal im Jahr übt. Wissen müssen wir es trotzdem, denn der Ernstfall richtet sich nicht nach unserem Übungsplan.
Die Nachbesprechung: Was ich immer wieder höre
Die Übungsleiter hatten am Ende des Abends also einiges zurückzugeben, und ein paar Dinge höre ich dabei immer wieder.
- Eigensicherung. Zur Not Abstand halten und das eigene Leben schützen. Wir laufen nicht im Einsatz: erst denken, dann handeln.
- Rettung vor allem anderen. Wenn es möglich ist, steht die Rettung der Verletzten an erster Stelle.
- Dekontamination und Hygiene. Es gab Hinweise zur Dekontamination, und gerade das Hygienekonzept verdient noch mehr Beachtung. Dabei geht es darum, dass Schadstoffe von der Einsatzstelle weder an uns noch an den Fahrzeugen bis ins Gerätehaus oder nach Hause wandern.
- Fahrzeuge sichern und aufstellen. Bis hin zur Frage, wo und wie die Fahrzeuge stehen, war alles ein Stück weit dabei.
Jeder dieser Punkte richtete sich an alle, als Hinweis für das nächste Mal.
Wertschätzung gehört genauso dazu
Trotzdem standen Wertschätzung, eine gemeinsame Reflexion und ein alkoholfreies Kaltgetränk genauso auf dem Plan. Wir machen das alle freiwillig, mit viel Einsatz und im Ernstfall unter Einsatz unseres Lebens … und mit großem Stolz.
Wie unsere Einsatzleiter dabei mit uns umgehen und wie wir dadurch besser werden, erlebe ich in dieser Form sonst nur bei der Bundeswehr. Auch nach echten Einsätzen ändert sich am Grundkonzept nichts, und genau so sollten wir uns alle gegenseitig fordern und fördern. Wie sehr es im Einsatz auf den Blick füreinander ankommt, habe ich in Caretaker in der Krise beschrieben.
Was das für Führung im Unternehmen heißt
Als Führungskraft halte ich es in Unternehmen genauso. Ein Fehler ist kein persönliches Thema, denn Absicht steckt fast nie dahinter. Wo Menschen arbeiten, geht aus den unterschiedlichsten Gründen etwas schief. Das gemeinsam als Ansporn zu nehmen, war mir schon immer wichtig, genauso wie den Menschen die Angst zu nehmen und ihnen Sicherheit zu geben.
Wer Angst hat, versteckt Fehler, und ein versteckter Fehler kann niemandem mehr etwas beibringen. Erst wenn ein Team offen darüber spricht, wird aus dem Fehler die nächste Verbesserung. Derselbe Gedanke steckt hinter Kaizen, den kleinen Verbesserungen jeden Tag, über die ich in Kaizen ist keine Methode. Kaizen ist eine Haltung. geschrieben habe.
Audits: Prüfen, um zu helfen
Bei Audits ist es dasselbe. Klar wird geprüft, und zwar, um Personen, Abteilungen und Bereichen Hilfe, Unterstützung und Platz für Wachstum zu geben. Ein Audit ist damit am Ende auch eine Übung: Es zeigt, wo ein Prozess im Alltag noch hakt, bevor es ein Kunde oder ein echter Vorfall zeigt.
Auch nach einer Hauptabweichung geht das Leben weiter. Gemeint ist der schwerste Befund in einem Audit: Eine Anforderung ist in einem wesentlichen Punkt nicht erfüllt und muss innerhalb einer Frist behoben werden. Das fühlt sich im ersten Moment unangenehm an, trotzdem ist es vor allem eine klare Ansage, wo die nächste Arbeit liegt.
Wie aus einem einmaligen Audit-Sprint ein dauerhafter Qualitätsprozess wird, habe ich in ISO-Zertifizierung und KI beschrieben.
Fazit: Mehr Respekt, weniger Angst
Ob in der Übung, im Einsatz oder im Audit, am Ende geht es um dieselbe Haltung. Mehr Respekt und weniger Angst, mehr Unterstützung und weniger Fingerpointing, mehr Demut und gegenseitiges Bestärken: Das behalte ich im Einsatz, im Ehrenamt und im Job immer im Blick, und dazu kann ich euch alle nur aufrufen.